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Wilhelmsburg ist erstklassig: Hamburg Towers steigen in die 1. Bundesliga auf

„You can’t guarantee an Aufsteig“, sagte Mike Taylor im vergangenen Frühsommer. Sorry, Mr. Taylor, but you can. Die Hamburg Towers haben sich ihren Traum von der Bundesliga erfüllt. Durch einen hoch dramatischen 78:72 (56:46, 37:27, 21:16)-Erfolg im entscheidenden fünften Spiel des Halbfinales bei den NINERS Chemnitz stehen die Wilhelmsburger als Endspielteilnehmer und Aufsteiger fest.

3000 Zuschauer, darunter die 200 mit Fanbussen angereisten Hamburger Fans, machten aus der Richard-Hartmann-Halle einen Hexenkessel. In diesem mussten zu Beginn Cha Cha Zazai, Malik Müller, Drew Barham, Beau Beech und Jannik Freese bestehen. In der hitzigen Atmosphäre blieb Müller gewohnt kaltschnäuzig und war per Dreier für die erste Gäste-Führung verantwortlich (3:2/2. Minute). Abgesehen davon war jedoch beiden Mannschaften zunächst die Nervosität in diesem Do-or-Die-Spiel anzumerken. Ballverluste und Fehlwürfe häuften sich gegen die zugegebenermaßen intensive Verteidigung beidseitig an. Das zweite Foul gegen Beech (6.) setzte die Gäste erstmals unter Druck, doch Müller und vor allem der glänzend aufgelegte Scootie Guyton hielten sie mit ihrer individuellen Klasse im Spiel. Trotz nur 33-prozentiger Wurfquote aus dem Feld führten die Norddeutschen zum Viertelende mit 21:16. Das machte Hoffnung.

Noch vielversprechender war die Verteidigungsleistung des Taylor-Teams, das Chemnitz zu einer exorbitant hohen Anzahl an Ballverlusten zwang und vorne in Form von nun immer besser fallenden Dreiern kapitalisierte (26:19/12.). Als dann auch noch Niners-Haudegen Ivan Elliott früh sein drittes Foul kassierte (13.) war das sogenannte Momentum (das laut wissenschaftlichen Untersuchungen im Übrigen nicht existiert) endgültig bei den Elbstädtern angelangt. Es gipfelte in einem traumhaften Anspiel von Justus Hollatz auf Justin Raffington, dessen Einflugschneise zum Korb weit offen war, und weiteren Guytonschen Flashback-Momenten zur entscheidenden Viertelfinal-Partie in Rostock. Der Mann ist die Definition von Clutch. Zur Halbzeit hatte er bereits 14 Punkte angesammelt und wurde von seinen Mitspielern verstärkt gesucht. Auch das gute Offensivrebounding trug zum 37:27-Halbzeitvorsprung bei.

Jetzt bloß nicht das dritte Viertel verschlafen. Und die Towers waren hellwach, starten direkt mit einem 8:2-Lauf gegen erstaunlich nervöse Gastgeber, deren sympathischer Trainer Rodrigo Pastore sich genötigt sah, eine Auszeit zu verbrennen. Die Stimmung erreichte den Siedepunkt, denn die Sachsen, die auf eine Ball-Raum-Verteidigung umstellten, stabilisierten sich, was ihr treues Publikum honorierte. Im Fanblock der Hanseaten wurde lautstark geantwortet, unter anderem animiert von Raffington und Müller, die von der Bank aus mit den Armen wedelten. Doch vorübergehend hatte der Hauptrundenerste das Kommando übernommen, kam per Korbleger von Kavin Gilder-Tilbury auf 40:49 heran (27.). Die folgende Timeout von Taylor hatte nur begrenzte Auswirkungen aufs Geschehen, da die Würfe gegen die Zonen-Defense nicht fielen. Bis auf 46:51 war der leichte Favorit wieder dran, ehe vor allem Tevonn Walker sinnbildlich für die mentale Stärke seiner Truppe stand und den Vorsprung wieder auf 56:46 ausbaute.

Welch eine Dramatik. Ihren letzten Strohhalm greifend, schossen die Chemnitzer aus den Startblöcken und hatten per 8:0-Run binnen 1:03 Minuten den Rückstand nahezu ausradiert (54:56/32.). Besonders Malte Ziegenhagen drehte auf. Auf der Gegenseite hatten die Towers Schwierigkeiten, zum Korb zu gelangen. Die Lösung? Dreier werfen. Was sich Beech zu Herzen nahm. Seine Kollegen auf den Guard-Positionen mussten sich indes einen Fullcourt-Verteidigung erwehren. Dies war wiederum eine Spezialaufgabe für den entfesselten Guyton, der an Freund und Feind vorbeizog, um auf 63:56 (35.) zu erhöhen. Wenig später schmolz der Vorsprung wieder auf 65:61 (37.). Es wurde das ultimative Nervenspiel, indem Ziegenhagen mittlerweile mit vier Fouls belastet war. Und dann Guyton, immer wieder Guyton. Geboren in „Windy City“ Chicago, wohnhaft in „Clutch City“ Hamburg. Dreier Guyton, Dreier Beech, 71:61, noch 2:25 Minuten, Auszeit Niners, durchgeschwitzte Hemden. Eineinhalb Minuten später hatten sich die Wolken verdunkelt. Zwei Distanzwürfe sowie ein Korbleger später schien es dahinzugehen mit den Aufstiegsträumen, doch wieder war Guyton zur Stelle (74:68/44,2 verbleibende Sekunden). Mit der Sirene brachen alle Dämme. Geschäftsführer Marvin Willoughby riss die Arme in die Höhe, die Fans ließen ihre Helden hochleben.

„Das war eine ganz besondere Serie für mich. Großen Respekt an Chemnitz, das eine fantastisch Saison gespielt hat. Wir hatten großen Spaß in den Duellen gegeneinander. Am Ende hatten wir das bessere Ende für uns, Scootie und Beau haben wichtige Würfe getroffen“, sagte Taylor.

Hamburg Towers: Guyton (28 Punkte/5 Assists), Zazai, Beech (11), Walker (11), Montana (6), Kindzeka, Müller (10), Freese (2), Hollatz (3), Raffington (7), Barham.

Um den Meister der BARMER 2. Basketball Bundesliga zu ermitteln, wird nun noch das Finale mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Mit-Aufsteiger Nürnberg Falcons (3:1 gegen die MLP Academics Heidelberg) empfängt die Towers am Donnerstag, 2. Mai, um 19.30 Uhr zum ersten der mehr oder weniger freundschaftlichen Duelle. Die große Aufstiegsparty in Hamburg steigt am Samstag, 4. Mai, um 19.30 Uhr in der edel-optics.de Arena, wenn die Franken an die Elbe reisen.

(Pressemitteilung: Hamburg Towers)

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